Die Menschenrechte als Ethischer Korridor

CABINET OKTOBER 2020

Denk ich an die Menschenrechte, beginnt mein Gehirn zu explodieren. Und mein Herz pocht. Bilder der Hoffnung steigen auf und Sorgenwolken verdichten sich. Seit Menschengedenken ist unser Geschlecht von Ungerechtigkeit, Ausbeutung, Gewalt, Flucht und Missbrauch malträtiert. Die unaussprechliche Zuspitzung des Schreckens im Holocaust hat zur Deklaration der Menschenrechte der UNO geführt. Neue Hoffnung keimte auf: können wir an einer gerechteren Welt bauen, in der die Würde eines jeden Menschen geschützt ist?

Mit dem Fortschritt unseres technischen Könnens stellt sich die Frage nach den Menschenrechten ganz neu:

  • Wenn wir beginnen, genetisch in unsere Nachkommen einzugreifen, wer hat dann das Recht über wen?
  • Wenn wir beginnen Menschen und Tiere zu vermischen (Hybriden), was heißt das für die Menschenrechte?
  • Wenn wir Cyborgs entwickeln, mit ganz anderen Fähigkeiten als ein Mensch, wer wird dann wen schützen?
  • Wenn wir Netzwerke entwickeln, die intelligenter sind als der Mensch, wer steuert diese mit welcher Absicht?

Die Wissenschaften liefern uns immer mehr Daten über den Menschen, aber gleichzeitig wird uns immer unverständlicher, was er im Kern eigentlich ist. Was ist unsere Identität? Was macht uns aus? Woher kommen unsere Moralvorstellungen? Worin begründet sich die menschliche Würde und damit die Menschenrechte?

Es gibt ethikphilosophische Strömungen heute, die meinen, dass der Mensch gar keine Würde hat (z.B. Peter Singer). Dann wird aber das Reden von Menschenrechten sinnlos. Das macht mir Sorge.

Ich ringe mit der Frage, welche Design-Kriterien es braucht, dass die Artefakte, die wir kreieren, eine menschenfreundliche Zukunft ermöglichen.

Wenn ich an die Menschenrechte denke, beginnt mein Gehirn zu explodieren.

MENTOR*INNEN

Lukas Madl, Michael Werzowa

FORMAT

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TERMIN

Mittwoch, 14.10.2020, 18:30-21:00

ORT

IH

CREDIT

Photo by SAJJAD salehi on Unsplash