Salon Februar 2021 mit Christoph Müller: „global player – ein künstlerisch / philosophisches Gedankenspiel“

SALON FEBRUAR 2021

Viele Strategien, den Klimawandel umzukehren, sind bereits vorhanden. Wir kennen Konzepte, um der ungerechten Verteilung von Ressourcen gegenzuwirken. Nicht selten scheitert es an der Umsetzung. Es mangelt an der Motivation von Einzelnen. Wie schafft man das grundlegende Vertrauen in die Tatsache, dass jede*r von uns ein Teil der Lösung ist? Wer wäre ein*e Meister*in in der Disziplin, Vertrauen und Motivation zu erzeugen? Wie würden Apple, Starbucks und Reddit den Klimawandel verkaufen? Eine effektive Methode zur Motivationssteigerung und Verhaltensänderung wird bereits seit Jahren im Marketing angewendet:

Gamification

Hierbei werden Konzepte aus der Spielentwicklung angewendet, um eine Art Suchtverhalten zu erzeugen, welches Käufer*innen zum Kauf anregt. Basis dafür ist das Erreichen von Ranglisten, das Übertrumpfen von Anderen, das Erobern des Feldes und das Obsiegen des Einzelnen. Ein radikaler Ansatz, der flächendeckend eingesetzt wird. Ist es legitim, diese Konzepte für das Erreichen von Zielen zweckzuentfremden? Was ist kritisch daran, Sachverhalte spielerisch zu vermitteln? Ist nicht das gesamte Leben ein Spiel? Selbst im Börsenhandel finden Begriffe wie Zocken und Verzocken Verwendung. Sind Spekulationsgeschäfte noch vom Glücksspiel zu unterscheiden? Wie gehen wir mit Regeln um? Strengere Regelwerke begünstigen nicht selten die erfahrenen Spieler*innen. Wie spielen wir fair und wie reagieren wir auf Mogler*innen? Besonders dann, wenn beispielsweise Dividendenstripping am Spielfeld nicht per se verboten ist. Gibt es manche Unternehmer*innwn, die sich in der Coronakrise ausmalen: Wenn ich 80% Umsatz vom Staat erstattet bekomme, dann ist es betriebswirtschaftlich gesehen doch günstiger, gar nichts zu tun. Bewundern manche die Kreativität dieser Spielzüge? Was ist die Antwort, wenn wir dieselben Personen um ihre Meinung zur Erhöhung der Mindestsicherung fragen? Gelten manche Regeln nur für Einzelne? Wer hat Handicaps und wie präzise drücken diese das Spielpotenzial aus?

Wir spielen ein Spiel, bei dem Gewinner*innen und Verlierer*innen nicht nur klar definiert sind, sondern möglicherweise bereits vor Antritt feststehen. Wir brauchen eine neue Vorstellung vom Spielen selbst.
Eine neue Art des Spiels hat Buckminster Fuller bereits 1961 entwickelt: Das World Game. Hierbei geht es nicht darum, dass einzelne Personen den Planeten erobern, sondern dass alle gemeinsam die Ressourcen fair verteilen und so die Erde für alle funktionierbar machen. Man verliert, wenn man gegen andere spielt. Man verliert, wenn man nicht mitspielt.

Das Spiel „global player“ greift diese Idee auf und transformiert sie in den digitalen Raum. Die Konzeption des World Games, das Tamagotchi und der Spieleklassiker Asteroids werden gekreuzt, um eine neue Spezies von Spiel zu generieren. Eine unbegrenzte Anzahl von Spieler*innen steuert dabei einen fiktiven Charakter. Jeder Einzelne hat Einfluss auf die Richtung. Je mehr Spieler*innen tatenlos sind, desto träger wird das Spiel, je mehr aktiv teilnehmen, desto leichter wird die Steuerung. Das gemeinsame Ziel ist, den fiktiven Charakter so lange als möglich am Leben zu halten. Es gibt kein Ende.

Brauchen wir ein neues System? Brauchen wir neue Regeln? Wir müssen ein neues Bewusstsein dafür schaffen, wer Gewinner*innen und Verlier*innen in unserer Gesellschaft sind. Wir sollten nicht gegen- sondern miteinander spielen.

Das Spiel global game ist Open Source. Es ist erlaubt, den Code abzuändern und anderweitig zu verwenden. Mit Namensnennung kann das Spiel auf Seiten eingebunden, oder anderweitig geteilt werden.

GAST

Christoph Müller

Christoph ist Künstler und Architekt der sich zwischen Kunst und Technik, zwischen Handwerk und Wissenschaft, zwischen Mensch und Maschine bewegt.

FORMAT

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TERMIN

Dienstag, 16.02.2020, 18:30-21:00

ORT

Online