Virtueller Salon Juni 2021 mit Judith Kohlenberger: “Wir und die Anderen: Über Zugehörigkeit, Ausgrenzung und Solidarität”

SALON JUNI 2021

Im Rahmen des Abends wollen wir über unterschiedliche Konzeptualisierungen von Solidarität, Zugehörigkeit und Fragmentierung anhand unterschiedlicher Dimensionen des Wir-Begriffs sprechen. Im Fokus sollen dabei sich verändernde Formen der Solidarität stehen, von universeller Hilfeleistung bis hin zu Solidarität als moralische Verpflichtung, vom Leistungsprinzip bis hin zur ethno-nationalen Solidargemeinschaft.

Die gegenseitige Assoziation in einer Gemeinschaft wird dabei als Grundvoraussetzung für jeden solidarischen Impetus verstanden. Kulturtheoretisch steht dahinter die Abhängigkeit des Selbst vom Anderen: Erst durch Abgrenzung von und Definition durch den Anderen konstituiert sich das Selbstbewusstsein.

Problematisiert wird diese intersubjektive Abhängigkeit im post-kolonialen Konzept des Othering, durch welches andere abgewertet, objektiviert und in letzter Instanz enthumanisiert werden. Dieses „Andersmachen“ bzw. „Fremd(er)machen“ von Menschen, die als sozioökonomisch „unten“ oder ethnisch, nationalstaatlich wie rechtlich „draußen“ konstruiert sind, gilt in der Forschung als wesentlicher Faktor für eine Fragmentierung der Gesellschaft, die wiederum als Motor für zunehmende Ent-Solidarisierung gesehen werden kann.

Der Kernfrage, der wir dabei nachgehen wollen, ist, ob Solidarität immer zwingend moralisch oder gerechtigkeitstheoretisch fundiert sein muss, oder aber einfach einem aufgeklärten Eigeninteresse dienen kann. Anstelle einer Binarität – solidarisch handeln oder nicht – kann daraus ein Verständnis von Solidarität als dynamisches Kontinuum mit Nuancierungen folgen.

GAST

Judith Kohlenberger

Judith ist Kulturwissenschaftlerin am Institut für Sozialpolitik der Wirtschaftsuniversität Wien. Seit Herbst 2015 arbeitet sie zu Fluchtmigration und Integration, unter anderem im Rahmen des Displaced Persons in Austria Survey (DiPAS), eine der europaweit ersten Studien zur großen Fluchtbewegung 2015, die mit dem Kurt-Rothschild-Preis 2019 ausgezeichnet wurde. Ihre Arbeit wurde in internationalen Journals veröffentlicht, darunter PLOS One, Refugee Survey Quarterly und Health Policy.  Im Februar 2021 erschien ihr Buch „Wir“ bei Kremayr&Scheriau. 

FORMAT

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TERMIN

Dienstag, 29.06.2021, 18:30-21:00

ORT

Online